Leserbrief: Realistisch, nicht destruktiv

Leserbrief in den Weinheimer Nachrichten, 26.08.2017
zu Leserbrief: Destruktive Grundhaltung, WN/OZ vom 19. August

Gleich in zwei Leserbriefen wird den lokalen Windkraftkritikern eine „destruktive Grundhaltung“ vorgeworfen. Uns werden Solar- und Windstrom als „Alternative“ verkauft, obwohl diese nachweislich nicht in der Lage sind, unser Land verlässlich mit Strom zu versorgen. Für gerade einmal 3 Prozent Beitrag zum Primärenergiebedarf wurden 28 000 Windkraftanlagen gebaut; der CO2-Ausstoß steigt weiter. Muss man sich eine destruktive Grundhaltung vorwerfen lassen, wenn man seine Wälder und Landschaften nicht einer zweifelhaften „Alternative“ opfern möchte?

Es wird kritisiert, dass die Bürgerinitiativen gegen die Windindustrie im Odenwald es als Aufgabe von Fachleuten ansehen, zuverlässige, ökologische und verlässliche Lösungen für eine echte Energiewende zu definieren. Man kann es als Ehre für diese Bürgerinitiativen ansehen, wenn von ihnen erwartet wird, Lösungen für diese komplexe Aufgabe zu entwickeln. Im Grunde ist es aber eine Bankrotterklärung für Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, wenn den eigentlich Verantwortlichen dies nicht mehr zugetraut wird!

Einer der Autoren versucht damit zu beruhigen, dass die Genehmigung von Windkraftanlagen nur nach gesetzlichen Vorschriften und dem Einbezug von Fachleuten und deren Erkenntnissen möglich ist. Vor dem Hintergrund dieser Aussage ist es allerdings mehr als beunruhigend, dass im November und Dezember 2016 Windindustrieanlagen mit einer Nennleistung von zusammen 5,9 GW genehmigt wurden; so viel wie in den 19 Monaten davor zusammen! Die Genehmigung für die Anlagen am Stillfüssel wurden am Freitag, 30. Dezember 2016 genehmigt. Warum das beunruhigt? Weil seit dem 1. Januar 2017 das Ausschreibungsmodell gilt, bei dem das günstigste Angebot zum Zug kommt und nicht mehr wie 2016 das Gießkannenprinzip angewendet wird. Sollten hier etwa Genehmigungen durchgewunken worden sein?

Übrigens: in der mittlerweile zweiten Ausschreibungsrunde nach dem neuen Modell sind die Zuschlagswerte auf 4,28 ct/kWh gesunken; von knapp 8 ct/kWh im Jahr 2016. Und: Keine einzige Anlage in Baden-Württemberg oder im Odenwald hat bislang 2017 einen Zuschlag bekommen. Da waren die örtlichen Initiativen mit ihren Bedenken zur Wirtschaftlichkeit von Windkraft im Odenwald wohl weniger „destruktiv“ als vielmehr realistisch...

Dr. Andreas Sindlinger, Weinheim

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